

21.01.26 –
Anfragetext:
Für den 9. Januar hatte der Deutsche Wetterdienst vor schweren Schneefällen gewarnt. Viele Kommunen bereiteten sich bereits Tage vor der Ankündigung auf mögliche Unwetter und viel Schnee vor. In Weimar fiel die Menge des frisch gefallenen Schnees eher mäßig aus, trotzdem waren die Straßen derart schlecht geräumt, dass am Morgen dieses Tages die Stadtbusse drei Stunden lang nicht fahren konnten. Auch in den folgenden Tagen kam es noch zu merklichen Einschränkungen durch halb geschmolzene und dann wieder gefrorene Schneeschichten, die offensichtlich nicht beräumt wurden.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Weimarer Stadtrat fragt daher den Oberbürgermeister:
1. Wie kam es dazu, dass der Stadtbusverkehr eingestellt werden musste?
2. Welche Vorkehrungen hatte die Stadt Weimar und vor allem der Kommunalservice angesichts des angekündigten Neuschnees getroffen?
3. Welche Schlüsse zieht die Werkleitung sowie die Stadtspitze aus den Erfahrungen dieses Januars bezüglich des Winterdienstes?
4. Gerade öffentliche Wege wie der Hesselplatz oder Bushaltestellen waren schlecht von Schnee und Eis beräumt. Wie soll bei künftigen Wintereinbrüchen insbesondere die Verkehrssicherheit für Fußgänger*innen gewährleistet werden?
5. Wie bewertet die Stadtverwaltung das wetterbedingte kurzfristige Aussetzen der Schulpflicht an einigen Weimarer Schulen?
Antwort
Schneechaos am 9. Januar
Für den 9. Januar hatte der Deutsche Wetterdienst vor schweren Schneefällen gewarnt. Viele Kommunen bereiteten sich bereits Tage vor der Ankündigung auf mögliche Unwetter und viel Schnee vor. In Weimar fiel die Menge des frisch gefallenen Schnees eher mäßig aus, trotzdem waren die Straßen derart schlecht geräumt, dass am Morgen dieses Tages die Stadtbusse drei Stunden lang nicht fahren konnten. Auch in den folgenden Tagen kam es noch zu merkli-chen Einschränkungen durch halb geschmolzene und dann wieder gefrorene Schneeschich-ten, die offensichtlich nicht beräumt wurden.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Weimarer Stadtrat fragt daher den Oberbürgermeister:
Frage 1:
Wie kam es dazu, dass der Stadtbusverkehr eingestellt werden musste?
Antwort:
Die Stadtwirtschaft hat ihren Betrieb planmäßig ab 5:00 Uhr aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Straßenverhältnisse in Ordnung, u.a. nicht zuletzt deshalb, weil der Kommunalservice bereits seit Stunden den Winterdienst durchgeführt hatte.
Im weiteren Verlauf des Morgens wurden die Straßenverhältnisse aufgrund des anhaltenden Schneefalls und des einsetzenden Berufsverkehrs deutlich schlechter. Gegen 6:00 Uhr konnte auf etwa der Hälfte der Linien der Verkehr nicht mehr sicher gewährleistet werden. Mehrere Busse gerieten ins Rutschen oder konnten selbst kleine Steigungen nicht mehr fahren, unter anderem in der Belvederer Allee und in der Humboldtstraße. In der Wendeschleife Siedlung Schöndorf und im Rödchenweg fuhren sich Fahrzeuge fest und mussten freigeschleppt werden. Weiter hatte ein Bus in der Erfurter Straße aufgrund Straßenglätte einen Unfall. Unter diesen Voraussetzungen war ein sicherer Verkehr nicht mehr gewährleistet. Auch der Kommunalservice konnte aufgrund der schnellen Verschlechterung der Straßenverhältnisse nicht, wie sonst praktiziert, kurzfristig helfen und die Gefahrstellen abstreuen.
Die Stadtwirtschaft hat den Verkehr daher ab 7:00 Uhr unterbrochen, um Fahrgäste und Fahrpersonal zu schützen. Als sich die Bedingungen gegen 9:00 Uhr stabilisiert hatten, wurde der Betrieb wiederaufgenommen.
Frage 2:
Welche Vorkehrungen hatte die Stadt Weimar und vor allem der Kommunalservice angesichts des angekündigten Neuschnees getroffen?
Antwort:
Die organisatorischen und materiellen Vorbereitungen für die Wintersaison 2025/2026 begannen bereits ab August 2025 und umfassten unter anderem:
1. das rechtzeitige Befüllen und Absichern der Streusalz- und Blähschieferreserven,
2. die Erstellung und Abstimmung der Winterdienst- und Bereitschaftsdienstpläne,
3. die frühzeitige Information der Pächter landwirtschaftlicher Flächen zur möglichen Aufstellung von Schneezäunen,
4. den Abschluss von Rahmenverträgen mit Streusalzlieferanten zur Sicherstellung der Materialversorgung.
Um dem angekündigten Schneefall vom Deutschen Wetterdienst entgegenzuwirken, wurden die Bereitschaftszeiten der Mitarbeitenden auf 02:30 Uhr vorverlegt.
Zusätzlich wurde die Personalstärke erhöht, um eine durchgehende winterdienstliche Betreuung der priorisierten Verkehrsflächen sicherzustellen.
Aufgrund von technischen Schwierigkeiten und Lieferengpässen des Streusalzzulieferers wurden ergänzend Kooperationen mit der örtlichen Straßenmeisterei in Gelmeroda sowie mit der Autobahn GmbH des Bundes (Stützpunkt Legefeld) vereinbart.
Frage 3:
Welche Schlüsse zieht die Werkleitung sowie die Stadtspitze aus den Erfahrungen dieses Januars bezüglich des Winterdienstes?
Antwort:
Die Einsätze des Winterdienstes Anfang Januar werden durch den Winterdienstleiter sowie den Winterdienst-Einsatzleiter ausgewertet.
Dabei werden insbesondere die aufgetretenen Problemstellen sowie Steigungsbereiche analysiert und bewertet. Ziel ist es, die Abfolge der Winterdiensttouren weiter zu optimieren.
Gleichzeitig hat sich erneut gezeigt, dass ein situatives und lageabhängiges Entscheiden während des laufenden Einsatzes zwingend erforderlich ist. Die Stadt Weimar weist unterschied-liche topografische Gegebenheiten mit Höhenlagen von etwa 200 bis 450 Metern auf. In Verbindung mit lokalen Wettereffekten führt dies dazu, dass die Witterungs- und Straßenverhältnisse innerhalb des Stadtgebietes teilweise deutlich voneinander abweichen.
Vor diesem Hintergrund kann der Winterdienst nicht ausschließlich schematisch nach festen Tourenplänen erfolgen, sondern erfordert eine fortlaufende Bewertung der Lage sowie flexible Eingriffe in die Einsatzsteuerung. Die erforderliche Anpassungsfähigkeit der Bereitschafts- und Einsatzzeiten bleibt daher ein wesentlicher Bestandteil eines leistungsfähigen Winterdienstes.
Darüber hinaus bestätigt sich der Bedarf, die Streusalzbevorratung auszubauen, um die Versorgungssicherheit insbesondere bei länger andauernden oder aufeinanderfolgenden Winter-ereignissen zu erhöhen. Dieser Ausbau ist am derzeitigen Standort muss perspektivisch im Zusammenhang mit strukturellen Veränderungen des Geländes auf dem Betriebshof gelöst werden.
Ergänzend werden die Verantwortlichen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in die Auswertung einbezogen, um Schnittstellen, Prioritäten und Abläufe insbesondere auf busrele-vanten Strecken künftig noch besser aufeinander abzustimmen.
Frage 4:
Gerade öffentliche Wege wie der Hesselplatz oder Bushaltestellen waren schlecht von Schnee und Eis beräumt. Wie soll bei künftigen Wintereinbrüchen insbesondere die Verkehrssicherheit für Fußgänger*innen gewährleistet werden?
Antwort:
Oberste Priorität des Winterdienstes haben nach dem Busverkehr und der Erreichbarkeit des Klinikums die öffentlichen Wege, die öffentlichen Plätze sowie Bushaltestellen. Aufgrund der Vielzahl der zu betreuenden Flächen erfolgt die Beräumung und Streuung abgestuft nach Bedeutung und Nutzungshäufigkeit.
Dabei ist ausdrücklich festzuhalten, dass nicht sämtliche Plätze sowie breite Einkaufsstraßen vollständig von Schnee und Eis befreit werden müssen. In diesen Bereichen ist es ausrei-chend, eine mindestens 1,50 m breite, durchgehende und sichere Gehwegverbindung herzustellen, die ein gefahrloses Begehen ermöglicht.
Abschließend ist festzuhalten, dass winterliche Witterungsbedingungen grundsätzlich mit Ein-schränkungen verbunden sind. Auch bei umfassender Vorbereitung kann es jederzeit zu schwierigen Straßen- und Wegeverhältnissen kommen. Es ist dabei illusorisch anzunehmen, dass bei einem flächendeckenden Winterereignis alle Straßen, Wege und insbesondere die gesamten Strecken des öffentlichen Personennahverkehrs gleichzeitig und vollständig von Schnee und Eis befreit werden können. Gerade bei anhaltendem Schneefall ist es technisch und organisatorisch nicht möglich, sämtliche Streckenabschnitte dauerhaft schneefrei zu halten.
Vor diesem Hintergrund ist bei einer Neuschneemenge von etwa 15 cm nicht von einem außergewöhnlichen Schneechaos zu sprechen, sondern von winterlichen Straßenverhältnissen, die trotz intensiver Winterdienstmaßnahmen temporär zu Einschränkungen führen können.
Frage 5:
Wie bewertet die Stadtverwaltung das wetterbedingte kurzfristige Aussetzen der Schulpflicht an einigen Weimarer Schulen?
Antworten:
Das Sport- und Schulverwaltungsamt als zuständiger Schulträger aller 20 staatlichen Schulen in Weimar erhielt über das Amt für Brand- und Katastrophenschutz die entsprechenden Infor-mationen zur "Unwetterlage" am 08.01.2026. Am selben Tag wurden diese unverzüglich nach Erhalt und telefonischer Abstimmung mit dem federführenden Amt an alle Schulen mit dem Hinweis versandt, dass es sich hierbei um eine reine Information handelt und keine konkreten allgemeingültigen Maßnahmen für alle Schulen abgeleitet werden können. Jede Schule war damit für sich in der Pflicht die Rahmenbedingungen einzuordnen und zu bewerten und ggf. schulorganisatorisch einzuwirken. Somit hat bspw. ein überregionales Förderzentrum, welches überwiegend Kinder beschult, die außerhalb von Weimar leben und somit andere Schul-wege zurücklegen müssen (z.T. mit Fahrdiensten und Wegen von 2 h je Fahrtstrecke) andere Entscheidungen getroffen als eine staatliche Grundschule, deren Kinder überwiegend aus fuß-läufiger Umgebung kommen.
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