03.07.2020

Offener Brief: »Nur was aus Weimar kommt, sollte auch ›Weimarer‹ heißen! Stellen Sie die Nutzung der Marke ›Weimarer Thüringen‹ ein!«

Offener Brief
an Axel Knau und Maximilian Tönnies, zur Mühlen ApS & Co. KG, Gewerbestraße 1, 24860 Böklund

Weimar, den 03.07.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

die schon lange bekannten und in den letzten Wochen medial in den Fokus geratenen Missstände in der deutschen Fleischindustrie beschäftigen auch die Bürger*innen von Weimar. Als GRÜNE Weimar treten wir seit 30 Jahren für eine lebenswerte Umwelt ein. Dazu gehören untrennbar Lebens- und Arbeitsbedingungen, die Menschen und Tieren in ihrer Würde gerecht werden. Wir stehen für einen grundlegenden, tiefgreifenden Wandel, damit Mensch, Tier und Umwelt an erster Stelle stehen.

Die Nachrichten aus Ihrem Stammhaus zeigen uns, dass die Gesundheit der Arbeitnehmenden und die Würde des Menschen im System Tönnies keine Priorität haben – wirtschaftlicher Profit geht vor. Das Tier als Rohstoff und der Mensch als Werkzeug sind nur mehr Bestandteil einer Nutzenbetrachtung.

Mit dem Erwerb und der anschließenden Schließung des Schlachthofes Nohra ist die Tönnies-Gruppe auch in Thüringen auf fragwürdige Weise in Erscheinung getreten und zugleich in den Besitz der Marke ›Weimarer Thüringen‹ gekommen. Diese ist auf die ZUR MÜHLEN Markenbesitzgesellschaft mbH & Co. KG, als Teil der Tönnies-Devision ›Sausages‹, registriert.

Seit der Schließung des Schlachthofes Nohra sind die überregional vertriebenen Produkte dieser Marke weder echte ›Weimarer‹, noch aus ›Thüringen‹. Immer wieder stellen wir in Gesprächen fest, dass die Verwendung dieser Marke zu Missverständnissen und falschen Assoziationen bei den Konsument*innen führt, da die suggerierte regionale Verortung längst nicht mehr gegeben ist.

Als Bürger*innen einer Europäischen Kulturhauptstadt mit vielschichtigem kulturellem Erbe sind wir im besonderen Maße der Würde des Menschen und der Achtung und Bewahrung unserer Umwelt verpflichtet. Die Missstände in Ihrem Konzern rücken den Namen unserer Stadt und unseres Bundeslandes in den Kontext Ihrer Geschäftspraktiken und gefährden so ernsthaft die Reputation Weimars und Thüringens. Die Bürger*innen unserer Stadt möchten nicht mit den Praktiken von Tönnies in Verbindung bebracht werden.

Da uns der Ruf unserer Stadt und Region sowie der Schutz von Mensch und Tier ein Herzensthema sind, fordern wir Sie hiermit öffentlich auf:

• Stellen Sie die Nutzung der Marke ›Weimarer Thüringen‹ ein!

• Übergeben Sie die Marke zur Kennzeichnung regionaler Produkte aus Weimar an die städtische Wirtschaftsförderung, die Weimar GmbH!

• Beenden Sie damit die Suggestion, es handele sich um Produkte unserer Stadt.

Wir sind uns bewusst, was Sie dürfen und was Ihnen rechtlich erlaubt ist. Aber es ist eine Frage des Anstands, eines fairen und transparenten Wirtschaftens, eines in Ihrem Unternehmen dringend nötigen Wertewandels, diesen Schritt jetzt zu gehen.

Mit freundlichen Grüßen

Enja Knipper & Daniel Schmidt
Sprecher*innen des Vorstandes

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